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Biologische Massenvernichtungswaffen

Einleitung

Bevor ich auf die verschiedenen Arten und Wirkungen der biologischen Massenvernichtungswaffen eingehe, möchte ich meinen persönlichen Bezug zu diesem Themenfeld schildern.
Das erste Mal, dass ich mich mit biologischen Massenvernichtungswaffen auseinandergesetzt habe, war im Rahmen meiner Maturavorbereitungsphase. Ich musste mich damals mit zwei Büchern von Richard Preston auseinandersetzten, der auf dem Gebiet der biologischen Waffen mehrere Romane und auch so genannte „Tatsachen-Thriller“ geschrieben hat. Eines dieser Bücher hieß Superox (2002) und beschäftigte sich vorwiegend mit der Ausrottung der Pockenviren. Die Ausrottung, des für den Menschen meist tödlichen Pockenstamms durch die WHO, ist für mich eine der menschlichen Glanzleistungen schlechthin. Sie hat gezeigt, dass die Menschheit, wenn sie sich einem globalen Feind stellt, nahezu unbesiegbar ist.
Hier begann für mich die Faszination an diesen lautlosen und unsichtbaren Killern und deren besonderen Verhältnis zum Menschen. Im Gegensatz zu Nuklearwaffen und chemischen Massenvernichtungswaffen, nicht vom Menschen geschaffen wurden. Besonders interessant finde ich die Rolle die diese „Massenvernichtungswaffen“ in der Natur einnehmen aber dazu später mehr.
Dieser Artikel soll zuerst eine allgemeine Definition von biologischen Massenvernichtungswaffen liefern, danach eine Beschreibung der zwei Arten (Viren und Bakterien) von biologischen Massenvernichtungswaffen geben und zuletzt die höchst unterschiedlichen Wirkungen anhand von ein paar Beispielen beschreiben.


Definition

Als Erstes benötigt man eine Definition von biologischen Massenvernichtungswaffen, damit man eine ungefähre Vorstellung davon bekommt, wovon eigentlich gesprochen wird. Sucht man z.B. auf Wikipedia findet man folgende Definition:

„Biologische Waffen:
Biologische Waffen richten sich gegen Menschen, Nutztiere und Nutzpflanzen oder Material. Ihre Wirkung kann insbesondere bei infektiösen Pathogenen häufig nicht eingegrenzt werden. Aufgrund der Seuchengefahr richten sich diese Waffen insbesondere gegen zivile Ziele, während militärische Organisationen zumeist über geeignete Abwehrmittel verfügen – Schutzanzüge, präventive Schutzimpfungen und im Fall einer Infektion schnelle Diagnose, hochwirksame Antibiotika in ausreichender Menge und das zur Behandlung nötige Know-how.“

Diese Definition ist weitgehend unzureichend, doch finden sich auch hier interessante Aspekte.
Als erstes muss eine Richtigstellung bei den Zielen anstellen, auf welche diese sich richten. Es ist nicht so, dass ein Virus oder ein Bakterium sich gegen Menschen, Tiere UND Nutzpflanzen richten kann. Es stimmt schon, dass z.B. Pocken sowohl Menschen und Tiere befallen können, nur sind dies verschiedene Stämme des Krankheitserregers, die sich erst durch eine eher seltene, jedoch mögliche Mutation, artübergreifend auswirken können. Die Auswirkung auf Materialien wäre ein Punkt über welchen man streiten kann. Viren und Bakterien brauchen im Allgemeinen einen lebenden Organismus um sich zu entfalten, um sich zu vermehren oder Krankheiten zu verursachen. Eine besondere Eigenschaft die Material auszeichnet, ist nicht lebendig zu sein. Manche Stoffwechselprodukte von Viren oder Bakterien können jedoch mit organischen Substanzen, wie Plastik oder Öl, Reaktionen hervorrufen und diese beschädigen. Da in der Wissenschaft zurzeit allerdings eine Kontroverse herrscht ob Viren Lebewesen sind order nicht, kann man auch über die Definition von organischen Substanzen und derer beiden Verhältnisse zueinander diskutieren.
Richtig ist die Bedeutung, die diesen Waffen im Krieg gegen die Zivilbevölkerung zugesprochen wird. Dass sie so gut wie nicht eingegrenzt werden können, ist ebenfalls eine Eigenschaft die charakteristisch sind für biologische Waffen.

„Allgemeine Definition von biologischen Kampfstoffen: Als biologische oder bakteriologische Waffen gelten Kleinstlebewesen oder deren Stoffwechselprodukte, durch deren Verbreitung Epidemien wie Pest, Typhus, Cholera oder Milzbrand ausgelöst oder Mensch, Tier und Pflanze in Massen vergiftet werden können.

Biowaffen werden als Massenvernichtungswaffen der Zukunft angesehen, als die "Atombombe des kleinen Mannes", weil:
1. Sie sind sehr billig und leicht herzustellen
2. Nötige Labormaterialien sind sehr leicht zu beschaffen und wieder zu beseitigen
3. Sehr hohe Effizienz: Mit sehr wenig Geld und Zeitaufwand können Millionen von Menschen vernichtet
werden, Spuren können sehr leicht verwischt werden
Nachteile:
1. Die geographische Unkontrollierbarkeit nach einem Einsatz von lebenden Erregern macht einen Einsatz in der Praxis schwierig. Eine genaue Eingrenzung des Einsatzgebietes ist bei lebenden Organismen unmöglich.
2. Da sie zu flüchtig oder instabil sind, lassen sich die verwendeten Kampfstoffe kaum über längere Zeit in waffenfähiger Qualität aufbewahren.
3. Auch der Verbreitung bleiben Grenzen gesetzt, eine Bombenexplosion etwa könnte dazu führen, dass Bakterien oder Viren zerstört werden.“

Diese Definition beschreibt noch mehr der besonderen Eigenschaften biologischer Waffen. Zu bemängeln, ist hier wieder die Verallgemeinerung von Ausbreitung auf Mensch, Tier UND Pflanze. Ebenfalls ist “bakteriologisch“ eine zu starke Eingrenzung und der Status der Viren in der Wissenschaft wurde bereits angesprochen.

Definition 2.0:

Zusammengefasst kann man nun zu folgender Definition kommen:
Als biologische Massenvernichtungswaffen gelten Bakterien, Viren und deren Stoffwechselprodukte, deren Verbreitung zu Epidemien unter Menschen, Tieren ODER Pflanzen führen kann. Sie sind strategische Massenvernichtungswaffen die gekennzeichnet sind durch:

• ihre billige und leichte Herstellung
• ihre leichte Zugänglichkeit
• das hohe Vernichtungspotenzial
• die geographische Unkontrollierbarkeit
• ihre komplizierte Lagerung und aufwendige „Lebenserhaltung“
• und die leichte Ausbreitungsgefahr nach einem Unfall

An folgender Stelle können Interessierte oder mit der Thematik Vertraute einen Vergleich der Eigenschaften aller bekannter Massenvernichtungswaffen anstellen, um ein besseres Bild von dieser Art Massenvernichtungswaffen zu bekommen.


Arten

Biologische Kampfstoffe lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

Viren:

Das Wort Virus stammt wahrscheinlich aus dem Sanskrit (Indien) und bedeutet so viel wie Gift. Ihre Erbsubstanz ist entweder in der Desoxyribonukleinsäure (DNA) oder Ribonukleinsäure (RNA) gespeichert. Dieser Bauplan für das Viruspartikel wird auch als Virion bezeichnet. Da Viren, im Gegensatz zu Bakterien, keinen eigenen Stoffwechsel besitzen, können sie die Eiweiße (Arminosäuren) zu ihrer eigenen Reproduktion nicht selbst erzeugen und bedürfen daher einer Wirtszelle und deren Organellen (Organe einer Zelle). Dies ist auch der Grund weshalb der Status des Virus als Lebewesen noch immer umstritten ist. Viren können Menschen, Tiere, Pflanzen und sogar Bakterien befallen.

Bakterien:

Bakterien sind die nach Definition kleinsten Lebewesen der Natur. Sie sind einzellige Lebewesen die keinen festen Zellkern haben. Ihre DNA liegt daher „nackt“ in der Zelle. Bakterien besitzen die Fähigkeit ihre Gestalt zu ändern. So können sie z.B. Sporen bilden und dadurch selbst widrigsten Umweltbedingungen über einen langen Zeitraum trotzen (Anthrax).
Ihr äußeres Erscheinungsbild lässt sich auf wenige Grundformen begrentzen:

• Kokken --> kugelförmig
• Stäbchenförmige Bakterien --> fadenförmig, keulenförmig
• Gekrümmte Stäbchen --> spiralen-, schraubenförmig

Um sich die Größenordnung vorzustellen, in welcher sich das Ganze abspielt, hat Richard Preston in seinem Buch „Superpox“ einen passenden Vergleich gemacht.
„Wenn man eine Zelle eines menschlichen Körpers – in natürlicher Größe – auf die Ausdehnung des Woodstock-Festivals legte, wäre sie ein Objekt ungefähr in der Größe eines VW-Busses, der am Rand des realen Festivals parkt. Bakterienzellen sind kleiner als tierische Zellen. Wenn man eine einzelne Zelle von E. Coli (den häufigsten Bakterien im menschlichen Darm) nach Woodstock verpflanzt, hätte sie ungefähr die Größe einer kleinen Wassermelone, die vielleicht neben dem VW-Bus im Gas liegt. Eine Anthraxspore wäre eine Orange. Im selben Maßstab wäre ein Pockenviruspartikel eine Maulbeere. (Die Virenpartikel der gemeinen Erkältung sind die kleinsten, die in der Natur vorkommen: Ein Schnupfenvirus wäre ein Marihuanasamen unter dem Sitz des VW-Busses)“

Nun, wie versprochen, zu der Bedeutung von Bakterien und Viren in der Natur. Neben der Selektion der am best angepassten Individuen einer Spezies („Survival of the fittest“), spielen sie in der Dezimierung von Überpopulationen eine gewichtige Rolle. Die Pocken sind hierfür das beste Beispiel. So treten sie zum Beispiel „bei Heuschrecken automatisch auf, wenn deren Population die Anzahl von 200.000 auf einer Fläche von 14 Tagesmärschen erreicht hat und dezimiert sie wieder auf ein gesundes, nachhaltiges Niveau“ . Aus diesem Grund sollte man die Populationsexplosion der Menschheit nicht nur auf Grund von Weltwirtschaft und dem Ende der großen Weltkriege sehen, sondern auch durch die Ausrottung des für den Menschen gefährlichen Pockenstamms, „der in seiner Existenzphase mehr Menschen ausgerottet hat (ca. 1 Mrd. bis 1979) als alle großen Kriege der Menschheitsgeschichte zusammen.“


Wirkung

Die Wirkung der biologischen Massenvernichtungswaffen hängt vom jeweiligen Krankheitserreger ab und lässt sich daher nicht verallgemeinern.
Deshalb werden zuerst die möglichen Infektionswege beschreiben und dann anhand der Pocken (Virus) und Anthrax/Milzbrand (Bakterium) ein paar mögliche Symptome genannt.

 

Infektionswege:

  • Oral/Anal (Nahrung, Wasser)
  • Tröpfcheninfektion (niesen, sprechen, husten)
  • Kontakt von Körperflüssigkeiten (Blut, Geschlechtsverkehr)
  • Tiere (Anophelesmücke)
  • Med. Utensilien


Pocken – Symptome:

Pocken lassen sich unterscheiden in den gefährlichen Pockenstamm (variola major) und den eher harmlosen Weißen Pocken (variola minor). Beschäftigen wir uns hier eher mit dem Stamm variola major, da die Sterblichkeitsrate bei den Weißen Pocken „nur“ bei 1–5 % liegt und variola major dadurch als Waffe „attraktiver“ scheint.
Zuerst kommt es zu uncharakteristischen Symptomen wie z.B. Fieber, Kreuz- und Gliederschmerzen sowie einer Entzündung der Atemwege, die ca. 2 bis 4 Tage anhalten. Danach kommt es zu den ersten Blasenbildungen der Haut. Hier gibt es die drei Arten in chronologischer Reihenfolge:


• Bläschen (kleinere; fest umrissene Hauterscheinungen)
• Vesikeln (Blasen die flüssigkeitsgefüllt sind)
• Und Pusteln (Blasen mit Eiteransammlungen)


Nach Austrocknung der Pusteln bildet sich ein Schorf, der starken Juckreiz auslöst. Besonders betroffen sind das Gesicht und die Extremitäten. Während der Krankheit leiden die Patienten unter treppenförmig ansteigendem Fieber, Delirien, Desorientierung und Wahnvorstellungen. Dieser Krankheitsverlauf hat eine Sterblichkeitsrate von 8–15 %. Ein besonders grausamer Verlauf sind die schwarzen Plattern. Innerhalb weniger Tage kommt es hierbei zu starken Blutungen in die Haut, Blutungen der Schleimhäute und der inneren Organe, verbunden mit dem Gefühl bei lebendigem Leib zu verbrennen. Die Sterblichkeitsrate liegt hier bei nahezu 100 %!!

Anthrax (Milzbrand) – Symptome:

Hier unterscheidet sich der Krankheitsverlauf durch die drei Ansteckungsarten. Diese wäre:

• Direkter Hautkontakt --> Es bildet sich ein kleines, rotes Bläschen mit schwarzem Punkt auf der Haut. Kurze Zeit später entwickelt sich ein eitriges Bläschen. Im weiteren Verlauf kommt es zu vermehrter Blasenbildung in der Umgebung des ersten Bläschens, die sich dann zu einem Milzbrandkarbunkel verbinden. Bekommt dieses Karbunkel Kontakt zu einem Blutgefäß, führt dies in eine Blutvergiftung. Die Blutvergiftung führt schnell zum Tod.
• Infektion über die Atemwege --> Der so genannte Lungenmilzbrand. Er verläuft wie eine starke Lungenentzündung mit blutigem Auswurf, der höchst infektiös ist. Weiters kommt hohes Fieber, Schüttelfrost Husten und Atemnot hinzu. Endet ohne rechtzeitige Therapie tödlich
• Über die Nahrung --> Darmmilzbrand. Die Hauptsymptome sind blutiges Erbrechen und blutiger Stuhl. Endet ohne Therapie ebenfalls tödlich.


Schlussbemerkung

Die Ausrottung der Pocken hat gezeigt, was die Menschheit zu leisten im Stande ist angesichts eines übermächtigen, schrecklichen Feindes. Leider scheint diese Tat bereits im Nirwana des Gedächtnisverlusts verschwunden zu sein, wenn Möglichkeiten biologischer Waffen abgewogen und Forschung in diese Richtung betrieben wird. Sollte dieser Artikel interessiert haben, werde ich im nächsten Artikel einen kurzen Geschichtsüberblick geben und einen gewagten Ausblick auf die Zukunft werfen; Auf die Möglichkeiten die die moderne Genetik diesen Waffen anbietet.


Quellenverzeichnis

Bücher:
Richard Preston: Superpox; Econ Verlag; 1. Auflage März 2002
Lehrbuch für den Rettungsdienst: Robert Strauß; Studien Verlag; September 2002


Internet:

http://de.wikipedia.org/wiki/

http://www.schulnote.de/

http://www.onmeda.de/krankheiten/infektionskrankheiten.html

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Nisul: Gute Hilfe

also ich schreibe gerade eine facharbeit zu dem thema und diese seite hat mir gut geholfen vorallem wegen der verbesserten formulierungen von wikipedia und der übersichtlichkeit. jedoch muss ich sagen das ich mit einigen punkten deiner recherche nicht übereinstimmen kann z. B. "• ihre billige und leichte Herstellung
• ihre leichte Zugänglichkeit"
sie gelten zwar als relativ leicht zugänglich, jedoch benötigen sie hochentwickelte techniken die eine private organisation kaum aufzubringen vermag um sie effizient einzusetzen
nachzulesen gibt es das hier nochmal und habe das auch schon in diversen anderen büchern gelesen : http://mitglied.multimania.de/LotharKrist6/tod/03_waffen_bio.htm unter dem punkt "bioterrorismus: echte bedrohung oder falscher alarm?" die gefahr besteht jedoch das terroristische gruppen einen der staaten der heute ein offensives biologisches waffenprogramm betreiben, bestehlen und sie somit an diese waffe kommen. weitere informationen dazu gibts auch http://www.sunshine-project.de/infos/allgemeines/einfuehrung/vorwort.htm... hier.

pagan: Super artikel

Erschreckend und zugleich interessant.  Freu mich schon auf den nächsten Artikel.

mpollak: Gut recherchiert!

Gut recherchiert!

Gast: Fett fett

Wirklich super artikel hehe echt oag. :-)

 

lg

Simon the Ravager